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Coaching vs. Therapie - Was ist der große Unterschied?

Aktualisiert: 20. Juni

“Ist das nicht alles das gleiche? Wann mache ich was?”


Gehirn mit Glühbirnen. Ein Kopf mit verschiedenen Gedanken.

Ich habe das Gefühl, dass aktuell viel über Therapie gesprochen wird. Viele Leute erzählen mir, dass sie mal in Therapie waren, es gerade sind oder vorhaben mal eine Therapie zu machen. Dabei ist meistens psychologische Psychotherapie gemeint. Neben “Therapie” höre ich aber auch immer mehr den Begriff “Coaching”. Gefühlt werden die Begriffe auch oft vermischt.. aber was sind die großen Unterschiede?

Wann ist welche Art der Unterstützung die richtige? 


In diesem zweiten Teil der Blog-Reihe schaue ich mir mit dir die Unterschiede zwischen Coaching und Therapie genauer an.

Was macht die beiden Ansätze aus?

Was unterscheidet sie und wo sind sie sich ähnlich?

Was kann von der Krankenkasse übernommen werden?

Und wo sind die jeweiligen Grenzen?

Mir ist wichtig, dir dabei zu helfen, Klarheit zu bekommen und eventuelle Vorurteile auszuräumen, damit du informiert Entscheidungen treffen kannst. Schließlich geht es um dich und darum, was für dich das Richtige ist und dir gut tut. 


Fangen wir an mit der Psychotherapie: Psychotherapie (umgangssprachlich oft Therapie) ist “allg. die gezielte, professionelle Behandlung psychischer Störungen und/ oder psychisch bedingter körperlicher Störungen mit konkreten psychotherapeutischen Verfahren [...] wie z.B. der Verhaltenstherapie”(Dorsch, 2024).

Eine psychische Störung wird oft auch als Krankheit bezeichnet. Somit spricht man von einer psych. Erkrankung, wenn man unter seinen Gedanken, Verhaltensmustern und Wahrnehmungen so sehr leidet, dass ein erheblicher Leidensdruck für einen selbst und/oder das Umfeld entsteht.

In den meisten Fällen besteht die Symptomatik schon seit längerer Zeit. Im Idealfall geht man mit seinen Symptomen zu seinem/seiner Hausarzt:in oder psychologischen/ärztlichen Psychotherapeut:in, die dann eine Diagnose nach ICD-11 und/oder DSM Kriterien aufstellen. Das ICD-11 (von der WHO) und das DSM (von der APA) sind internationale Standards zur Diagnose und Klassifikation von psychischen Krankheiten.

Durchgeführt wird eine verschriebene Psychotherapie dann von psychologischen oder ärztlichen Psychotherapeut:innen (Was da der Unterschied ist, kannst du im Blog “Ist das nicht alles Geldabzocke? Woran erkenne ich einen qualifizerten Coach?” lesen) .

Bei der Therapie unterscheidet man vier verschieden Therapiearten, die von der Krankenkasse anerkannt sind und erstattet werden, weil deren Wirksamkeit als wissenschaftlich bewiesen gilt: Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, analytische Psychotherapie und die systemische Therapie. Die Dauer der Therapie richtet sich nach dem Bedarf der erkrankten Person und nach dem gewählten Verfahren. 

Mehr Infos rund um Psychotherapie findest du unter: https://t1p.de/qboqt



Denkender Mensch mit Glühbirne im Kopf im Seitenprofil.

Coaching hingegen ist eine viel kürzere, spontanere und weniger intensive Maßnahme, die in der Regel nicht von der Krankenkasse erstattet wird. Der Ausgangspunkt für ein Coaching ist keine wie oben definierte Störung oder Krankheit, sondern vielmehr ein Selbst-Nicht-Mehr-Weiterkommen-Moment oder ein Wunsch nach Veränderung, Klarheit oder Struktur.

Dabei gibt es Coaches die auf verschiedene Themenfelder spezialisert sind, wie z.B.: 


Karriere Coaching: 

Welcher Job/Studium könnte für mich passen?

Was kann ich tun, um meine Chancen beim Bewerbungsprozess zu maximieren?

Wie gehe ich beruflich die nächsten Schritte?

Wie erreiche ich eine bessere Work-Life Balance?

Wie gehe ich mit beruflichen Herausforderungen/Konflikten um?

Wo liegen meine Stärken? etc.



Beziehungs-/Familien-Coaching:

Wie kann ich die Kommunikation mit meinen Kindern/Partner:in verbessern?

Wie kann ich geeignete Grenzen setzen und Eigenverantworung stärken?

Wie erreiche ich eine harmonische Familien-/Beziehungsdynamik? etc.



Life-Coaching:

Hier geht es um dich selbst und den Umgang mit deinen aktuellen Herausforderungen im Leben. Da kann es wirklich um alles Mögliche gehen: 


Wie überwinde ich meine Prokrastination?

Was ist mir eigentlich wichtig im Leben?

Wie gehe ich gesund mit Emotionen wie Trauer, Ängsten oder Sorgen um?

Wie gehe ich mit den Herausforderungen einer (neuen) Lebensphase um?

Wie stärke ich meine mentale Gesundheit?

Wie kann ich ein besserer Freund:in/Partner:in sein?

Wie finde ich zu einer guten Entscheidung? etc. 



Die Themen, die man mit einem Coaching bearbeiten kann sind dabei nicht festgelegt. Coaching kann also für ganz viele verschiedene Themen, ob klein oder groß, eine hilfreiche Ressource sein.



Ist Coaching dann nicht einfach sowas wie “Therapie light”?


Nein, Coaching ist nicht einfach eine "Psychotherapie light". Obwohl beide Ansätze persönliches Wachstum und Entwicklung fördern, unterscheiden sie sich u.a. in ihrer Ausrichtung, Zielsetzung, Dauer und Methodik.


Psychotherapie konzentriert sich auf die Behandlung psychischer Störungen und Probleme, die oft tiefe Wurzeln haben und eine intensive therapeutische Arbeit mit einem/einer psychologischen oder ärztlichen Psychotherapeut:in erfordert. Die Behandlung basiert auf einer Diagnose und wird von der Krankenkasse erstattet. Ziel dabei ist es, mit psychotherapeutischen Techniken die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden wiederherzustellen. 


Coaching ist in der Regel sehr lösungsorientiert und arbeitet mit Personen, die bereits über eine gewisse Stabilität und Funktionalität verfügen, aber Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Ziele und Visionen benötigen. Außerdem ist Coaching ein kürzerer und sehr zukunftsorientierter Prozess und zielt darauf ab, Menschen dabei zu unterstützen, ihre Ziele zu erreichen, innere Ressourcen zu aktiviere, ihr Wohlbefinden zu steigern und ihr volles Potential zu entfalten.


Auch wenn Coaching und Psychotherapie sich darin ähneln, dass beide darauf abzielen, Menschen zu unterstützen ihr volles Potenzial zu entfalten, persönliche Hindernisse zu überwinden und ihr Wohlbefinden zu steigern (und auch oft ähnliche Gesprächstechniken und Zielsetzungsstrategien verwenden) kann Coaching keine verschriebene Psychotherapie auf Basis einer Diagnose ersetzen und ist auch nicht das richtige bei akuten Notsituationen. 

Sollte es dir akut nicht gut gehen, zögere nicht mit deinen Freunden, Familie oder Arzt:in zu sprechen. Es gibt viele Hotlines, Beratungsangebote, und Anlaufstellen, an die du dich mit deinen Sorgen und Leiden wenden kannst, ein paar Anlaufstellen für akute Notsituationen findest du auch in unseren FAQs. 


Ein Gehrin, das durch den nährreichen Boden aus einem Baum heraus wächst und vielseitig und schön ist.

Wie du siehst, gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, um dein mentales Wohlbefinden zu steigern. Am Ende entscheidest du, welcher Weg für dich der richtige ist. Coaching und Therapie lassen sich teilweise auch gleichzeitig vereinbaren.

Wichtig ist, dass du weißt, dass du nicht leiden musst, mit deinen Problemen nicht alleine bist und es professionelle Hilfe gibt, die dir nachweislich dabei helfen kann, Lösungen für deine großen und auch kleinen Herausforderungen zu finden. 


Im nächsten BlogPost (“Ist das nicht alles Geldabzocke? Woran erkenne ich einen qualifizierten Coach?) werfe ich für dich einen genaueren Blick auf den Vokabeljungel der Berufsbezeichnungen und beantworte Fragen wie: Wer darf sich eigentlich Coach nennen? Was ist der Unterschied zwischen Coach, Psychologe, Psychotherapeut? Wie schütze ich mich vor den selbsternannten Business Gurus, die sich auch als Coach verkaufen?


Hast du dich schonmal gefragt, ob Coaching oder Therapie für dich das Richtige ist? 

Schreib es gerne in die Kommentarfunktion!




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